Oberschwarzach. Hexenprozesse 1617/18 am Steigerwald III

Oberschwarzach und Umgebung auf einer Karte des 20. Jhs, Quelle: Geoportal Bayern

Am 5. Mai, wenige Tage vor dem Hinrichtungstermin am 10. Mai, ordnete Aschhausen weitere Festnahmen an. Die Festzunehmenden sollten den drei bereits Inhaftierten „konfrontiert“, also ihnen gegenübergestellt werden. Das war ein gängiges Verfahren im Strafprozess. Man protokollierte dann die Reaktionen der Beschuldigten auf die Bezichtigungen und Vorwürfe. In Oberschwarzach war Eile geboten, schließlich sollten die drei am 10. Mai hingerichtet werden. Festzunehmen waren: die Frau des Schultheißen Jacob Henfling aus Siegendorf, die Frau von Hans Most aus Kammerforst, die

Frau von Hans Leirer aus Ebersbrunn und die Frau von Valentin Grappelt aus Großgressingen. Auch die Frau des Wirts Hans Wolf aus Ebersbrunn steht unter Verdacht. Sie hat bereits vier Besagungen, und wenn nun eine weitere von den neu Verhafteten dazukommt, soll sie ebenfalls inhaftiert werden. Das ist ein Hinweis für die noch nicht geklärte Frage, wie viele Besagungen in Würzburg für eine Inhaftierung nötig waren – bei Aschhausen scheinen es hier fünf zu sein.

Die weiteren Untersuchungen soll Georg Dietmann führen, ein Hofrat Aschhausens, lt. Reuschling 491 ein gebürtiger Würzburger, der in Würzburg Jura studiert hatte. Er war bereits das ganze Jahr über bei Hexenprozessen in Gerolzhofen im Einsatz gewesen (StAW, Hist. Saal 375 und 376).

Die Quelle im Ganzen:

Vom 7. Mai 1618 datiert ein Schreiben in der Überlieferung der Würzburger Kanzlei, in dem die beiden Würzburger Beamten vor Ort zusammen mit Schultheiß und Keller von Oberschwarzach bestätigen, Weisungen aus Würzburg bekommen zu haben. Damit haben wir neben Zentgraf und Amtsschreiber zwei weitere Amtleute, die vor Ort mit den Hexenprozessen befasst waren. Aktenkundlich ist dieses Schreiben ein „Recepisse“, also

Zettells wiederbringer hat ein fürstliches schreiben … zu recht gelieffert … Ein Schreiben mit Rückschein: Oberschwarzach bestätigt dem Würzburger Boten ordentliche Arbeit (StAW, Hist. Saal 376 fol. 105r).

eine Empfangsbestätigung. Der Bote, der die Weisung aus Würzburg überbracht hatte, nahm sie mit zurück nach Würzburg als Beleg, dass er seinen Auftrag korrekt ausgeführt hatte. In Würzburg kam sie zu den Akten.

Die Quelle im Ganzen:

Zu den Hinrichtungen am 10. Mai sind keine weiteren Quellen bekannt. Vorbei waren die Verfahren aber noch nicht. In einem Konzept Aschhausens vom 21. Juni geht es um die Abrechnung der Kosten der Brände Nr. 12 und Nr. 13.

Liebe getreuen, wir haben die bei dem 12. und 13. brandt ufferloffene uncossten laßen durchsehen … Ein Hinweis auf weitere Hinrichtungstermine in Oberschwarzach (StAW, Hist. Saal 376 fol. 108r).

Die Brände wurden hier offenbar durchnummeriert (so machte man das auch 1627/29 in Würzburg und 1616/17 in Gerolzhofen). Die Zahlen sind furchtbar. Sie bedeuten auch, dass man für die Prozesswelle 1616/19 für Oberschwarzach von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen muss, denn Aktenmaterial mit Namen gibt es nur für wenige Brände. Durch Akten belegt sind derzeit elf Hinrichtungen im Jahr 1616, acht im Jahr 1617 und 18 aus 1618.

Die Quelle im Ganzen:

In dem Schreiben wird auch deutlich, dass man in Würzburg davon ausging, die Oberschwarzacher Amtleute würden sich an den Verfahren bereichern. Der Zentschreiber rechnet Reinschriften (mundierte Inventaria) ab, die nie in Würzburg ankommen. Bei dem „Einspringer“ Peter, dem nach Würzburger Ansicht in Oberschwarzach zu viel gezahlt wird, könnte es sich um den Würzburger Scharfrichter Peter handeln, der aus HV MS f 887 bekannt ist. Die Amtleute vor Ort scheinen bei der Gebührengestaltung erhebliche Freiräume gehabt zu haben.

Hinrichtungen am 27. Juni 1618 durch den Würzburger Scharfrichter in Oberschwarzach (StAW, HV MS f 887 S. 86).

Im Juni 1618 forderte die Würzburger Kanzlei in Oberschwarzach Verzeichnisse über die Hinrichtungen an. Die Oberschwarzacher Beamten antworteten am 4. Juli mit einem Schreiben, in dem es um weitere Inhaftierungen geht und weitere Hinrichtungstermine angedeutet werden, zu denen es bis jetzt keine weitere Überlieferung gibt. Erstmals in diesem Blog erscheint hier auch die Vertreterin einer Personengruppe, die landläufig gerne mit den Hexenprozessen in Verbindung gebracht wird: eine Amme.

Die Quelle im Ganzen:

Aus Oberschwarzach bekam ich einen Hinweis (danke!) auf einen einschlägigen Text zur Geschichte Oberschwarzachs, den ich bislang nicht kannte: Georg Höfling, Geschichte und Beschreibung des im k.b.U.M. Kreise liegenden Marktfleckens Oberschwarzach und der Ruine Stolberg am Steigerwalde, Würzburg 1836. Das Buch ist vollständig online bei der UB Würzburg. Es ist voller historischer Informationen zu Ort und auch Amt Oberschwarzach und enthält S. 102-106 auch einen kurzen Text zu Hexenprozessen der Zent Gerolzhofen (also nicht Oberschwarzachs). Höfling gibt auch den Ort an, an dem die Oberschwarzacher Hinrichtungen stattfanden: auf dem Feld an der Straße zwischen Breitbach und Oberschwarzach. Eine leicht veränderte Variante des Textes veröffentlichte der Autor im selben Jahr unter dem Titel „Geschichtliche Notizen über die Pfarrei zu Oberschwarzach“, ebenfalls Würzburg 1836 (70 S.).

Zuerst publiziert 20.1.2024.

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